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EPT-Poker-Champions benehmen sich wie pubertierende Abiturienten

Sandra Naujoks, beim gestrigen EPT-Champions-Turnier leider auf der Bubble ausgeschieden, fühlte sich beim Gipfeltreffen“ der europäischen Poker-Elite an ein „Home Game“ erinnert. Vicky Coren, die auf Platz vier immerhin noch 10.000 Euro nach London mitnahm, zeigte sich geschockt über die Spielweise von Jason Mercier, der ihr „all in“ mit K2 callte. Coren: „He called mistakly“.

Das war nicht der einzige „mistake“ des Turniers. Denn die Gewinner der sieben bisherigen EPTs benahmen sich eher wie   pubertierende Abiturienten als wie Pokerprofis. Sie amüsierten sich bis tief in die Nacht (Sandra Naujoks: „Viele Jungs hatten einen Hangover“), und so kam es, dass das Event offensichtlich zwecks Ausnüchterung erst gegen 14.00 Uhr CET mit zweistündiger Verspätung startete.

Doch es kam noch besser. An dem einen oder anderen Tisch ging es wie im wilden Westen zu. All ins mit Händen wie 72o, begleitet von Dollarscheinen (Privatwetten), die quer über den Tisch flogen – da wunderte sich der interessierte Laie, dem die „Pokerstars“ ansonsten doch immer zu vermitteln versuchen, dass Poker kein Glücksspiel ist, sondern Strategie, Können, Disziplin und Erfahrung verlangt.

Die Berichterstattung passte sich der allgemeinen Mittelmäßigkeit an (zu wenige Informationen, zu wenig Covering interessanter Spielszenen,  keine hole cards), so dass der Zuschauer rätseln durfte, was da wo passierte. Die deutschen Kommentatoren trugen wenig dazu bei, das zu kompensieren. Statt am Turniergeschehen und seiner Analyse schienen sie eher an ihren privaten Wetten, der Verliebtheit eines Moderators für Vicky Cohen und der Überlegung, ob man die nächste Nacht durchmachen solle, interessiert.

Um 2.38 Uhr dann die wirkliche Krönung der Berichterstattung. O-Ton der deutschen Kommentatoren: „Gibt es überhaupt noch Leute, die uns zuschauen?“. Was mögen da all die Zuschauer gedacht haben, die dem Turnier mehr als zwölf Stunden  geduldig gefolgt waren und die sich lange zuvor auf dieses Match der europäischen Poker-Elite gefreut hatten?

In den Augen der Profis und der deutschen Berichterstatter besaß dieses von Pokerstars als Top-Event promotete Turnier offensichtlich nur wenig „Value“.

Es entstand beim Zuschauer der Eindruck,  das sich die europäische Poker-Elite wegen der „peanuts“ an Preisgeldern (50.000 Dollar für Platz 1) kaum um ein ernsthaftes Spiel oder eine professionelle Berichterstattung zu bemühen bereit war.

Es hätte nur noch gefehlt,  dass die Finalisten (oder die deutschen Reporter) sich leichtgeschürzte Revue-Girls auf den Schoß gesetzt und ein bisschen mit den Colts in die Luft geballert hätten.

Doch Kommentar beiseite. Tatsache ist: Zum Schluss wirkte das deutsche „Reporter“- Team reichlich heiter, zeigte deutliche Artikulationsschwierigkeiten und glänzte nach der letzten Hand durch Unwissenheit. O-Ton: „Machen wir jetzt eigentlich Schluss oder gibt es noch eine Siegerehrung? Also:  Ich weiß es wirklich nicht.“

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